
![]() Hier einige Impressionen von der Ausstellung | |
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Große Ereignisse werfen Ihre Schatten voraus. Bereits Tage vorher wurde aus dem Speisesaal der Theo-Lorch Werkstätten am Standort Ludwigsburg nach und nach eine Galerie.
Lichtspots wurden aufgehängt, um alles ins beste Licht zu setzen. Wände mit Stoff bespannt, um den richtigen Rahmen zu bieten. Kurz: es wurde alles getan, um die Stars für die Vernissage am 16. und die Ausstellung am 18. Oktober von Ihrer besten Seite zu präsentieren. Die "Stars", das waren die Werke, die Tanja Wellinger, Guido Meurer, Eyüp Vural, Andrea Wallstein und Werner Zeeh im Rahmen des Projektes "Gestalt und Farbe" geschaffen haben.
Was im Jahr 2002 zunächst spielerisch und mehr zufällig mit Tanja Wellinger begann, wurde 2007 zu dem Projekt "Gestalt und Farbe": Die fünf Kreativschaffenden aus dem Förder- und Betreuungsbereich der Theo-Lorch Werkstätten kommen einmal wöchentlich für eine Stunde in den Kreativraum zu Birgit Drakeford. Dort können sie sich mit Hilfe von Farben, Korken, Glitzersteinen, einfach allem was man sich vorstellen kann, kreativ ausleben.
Birgit Drakeford ist Gruppenleiterin bei den Theo-Lorch Werkstätten, Initiatorin und Leiterin des Projektes "Gestalt und Farbe." Ihre Aufgabe ist es, die Kreativschaffenden zu unterstützen und ihnen die notwendige Atmosphäre für ihre Kreativität zu schaffen. Denn jeder hat andere Bedürfnisse: der eine mag laute Musik, der andere liebt die Ruhe, der nächste kann nicht ohne seinen Kaffee. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie aufgrund einfach oder mehrfach Behinderung im Alltag auf Unterstützung angewiesen sind und die Beschäftigung mit Farbe und anderen Materialien eine der wenigen Möglichkeiten ist, ihre Individualität zum Ausdruck zu bringen. Der Begriff Kreativschaffende mag ein wenig sperrig klingen, ist aber von Birgit Drakeford sehr bewusst gewählt: "würde ich sie Künstler nennen, würde ich sie auch den harten Gesetzen des Kunstmarktes und dem Urteil der Kunstkritiker unterwerfen und das ist nicht das Ziel dieses Projektes." "Unser Ziel ist es, Ausdrucksmöglichkeiten zu bieten. Entspannung und Spaß zu haben stehen im Vordergrund," so Drakeford weiter.
Zum Ende des Projektes "Gestalt und Farbe", das zum Jahresende ausläuft, wurden die Werke nun der Öffent-lichkeit vorgestellt. Und die Öffentlichkeit kam zahlreich.
Vernissage
Schon die Vernissage am Donnerstag wurde von den geladenen Gästen begeistert angenommen, was sich auch im Gästebuch widerspiegelte: "Da kann man nur Staunen! Gottes reichsten Segen für die weitere liebevolle Arbeit" schrieben zum Beispiel Erika und Günter Kumpf aus Vaihingen ins Gästebuch. Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführer der Theo-Lorch Werkstätten, Dietrich Vonhoff, und einem Grußwort von Pfarrer Frieder Grau, übernahm die Schirmherrin des Abends, Carmen Würth, den Platz am Rednerpult.
Carmen Würth betonte in ihrer Rede, dass mit dieser Ausstellung die "wunderbare Chance" gegeben sei, "Menschen auf eine andere Weise zu begegnen, sie wahrzunehmen, und ihre Leistung zu respektieren."
Viele der Gäste fanden die Bilder sehr aussagekräftig. Manche waren von einem einzelnen Bild so berührt, dass sie sich nicht wieder davon trennen wollten. Was aber auch nicht notwendig war, da nahezu alle ausgestellten Bilder käuflich erworben werden konnten. Wunderbares Fingerfood - von gerollten Panini bis zu Mousse im Schokoladenkörbchen - und Frieder Berlin am Piano und Norbert Rettenmaier am Tenor-Saxophon mit Klassikern der Jazz-Musik, untermalten die Lounge-Stimmung, die an diesem Abend im Speisesaal herrschte. Dass es ein Erfolg war konnte man daran erkennen, dass bereits an diesem Abend eine große Anzahl von Bildern einen roten "Verkauft"-Kleber hatte, und dass die letzten Gäste erst gegen 22.30 Uhr den Heimweg antraten.
Ausstellung
Die Ausstellung für die gesamte Öffentlichkeit konnte am Samstag nahtlos an den großen Erfolg der Vernissage anknüpfen. Beinahe 500 Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, die Werke der Kreativschaffenden erstmals zu bestaunen. Bei einem Besucher hatte die Ankündigung der Ausstellung im Internet sogar dafür gesorgt, dass er spontan seine Wochenendpläne änderte, und extra aus der Schweiz anreiste. Wie bereits bei der Vernissage, fanden viele der ausgestellten Bilder ihre Anhänger. Manchmal waren es auch mehrere Besucher, die sich in das gleiche Bild verliebt hatten, dann begann schon fast ein Wettlauf um den roten Punkt anzubringen.
Musikalisch schwungvoll vom Saxofon-Sextett des Musikvereins Poppenweiler umrahmt, waren auch am Samstag alle Helfer hoch motiviert im Einsatz. Der eine oder andere meinte gar, für so eine Veranstaltung würden sie gerne wieder einen Samstag "opfern." Siegfried T., einer der Beschäftigten sprach wohl allen aus dem Herzen als er sagte "es war eine Ehre dabei zu sein." Birgit Drakeford bedankte sich bei ihrem Projektteam und bei allen Helfern: "Eigentlich hätte jeder Einzelne verdient, namentlich erwähnt zu werden. Stellvertretend ein großes Dankeschön an die vielen Angehörigen, die als ehrenamtliche Helfer mit dabei waren."
Die Bilder sind wieder abgehängt. Die ersten hängen schon bei ihren neuen Besitzern an der Wand und die Galerie hat sich in den Speisesaal zurückverwandelt. Aber wie geht es nun weiter mit "Gestalt und Farbe"? Nachdem das Projekt nicht nur beim Publikum so gut ankam, sondern vor allem bei den Kreativschaffenden positive Effekte erkennbar sind, wird aus dem Projekt ab 2009 ein fester Bestandteil als begleitendes Angebot im Bereich Fördern und Betreuen. Aber auch das Publikum wird nicht zu kurz kommen, für 2009 ist bereits eine Ausstellung im Landratsamt in Planung und die Agentur für Arbeit hat ebenfalls Interesse signalisiert, eine Ausstellung zu gestalten. Zusätzlich werden einige Werke auch beim großen Open Air am 26. Juli 2009 auf dem Marktplatz in Ludwigsburg zu sehen sein. An diesem Tag laden die Theo-Lorch Werkstätten alle ein, gemeinsam mit ihnen den 40. Jahrestag ihrer Gründung zu feiern unter dem Motto "Mensch, Mensch! Ein Festival"
Hintergrundinformation zu den Theo-Lorch-Werkstätten:
Die Theo-Lorch-Werkstätten sind eine gemeinnützige GmbH. Sie unterhält drei Häuser in Ludwigsburg und Bietigheim mit über 700 Arbeits- und Betreuungs-plätzen für Menschen mit Behinderungen. Alleiniger Gesellschafter ist der Verein »Arbeit und berufliche Bildung für benachteiligte Menschen Ludwigsburg e.V.«.
Die Theo-Lorch-Werkstätten sind Mitglied beim diakonischen Werk Württemberg und beim Bundesverband Evangelische Behindertenhilfe.
Untergliedert sind die Theo-Lorch-Werkstätten in vier Bereiche:
Der Berufsbildungsbereich ist der Start ins Arbeitsleben. Zwei Jahre lang finden intensive und vielseitige Schulungen statt. Im ersten Jahr erwerben die neuen Teilnehmer Grundkenntnisse über Arbeitstechniken und die verschiedenen Materialien der Auftragsfirmen. Im zweiten Ausbildungsjahr vertiefen die Teilnehmer das Erlernte und konzentrieren sich auf die jeweils ausgewählte Fachrichtung. Je nach individuellen Fähigkeiten und Interessen steuern die Teilnehmer auf Ihren Arbeitsplatz in den Werkstätten zu. In manchen Fällen führt die Ausbildung direkt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Hier arbeiten die Beschäftigten dann beim Kunden vor Ort.
Der Arbeitsbereich gliedert sich in Montage, Verpackung und spanabhebende Fertigung auf. Die Leistungen umfassen Industriemontage, Elektromontage, mechanische Fertigung und Dienstleistungen im Bereich der Logistik.
Die Werkzeuge und Maschinen, mit denen die Menschen mit Behinderungen arbeiten, werden speziell angefertigt und sind in der Handhabung ganz besonders sicher. Die Theodor-Lorch-Werkstätten arbeiten mit erfahrenen Werkzeugbauern und Sondermaschinenherstellern zusammen und lassen die Betriebsmittel nach Bedarf individuell anfertigen. Arbeitsschutz und Arbeitssicherheitsvorgaben gelten hier wie in jedem anderen Wirtschaftsbetrieb.
Der Bereich Berufliche Bildung | ABL e.V. ist die Fort- und Weiterbildungsabteilung für alle Beschäftigten der der Theo-Lorch-Werkstätten. Zahlreiche Schulungen und Workshops ergänzen das Arbeitsleben um berufsqualifizierende und lebenspraktische Aspekte.
Der Förder und Betreuungsbereich steht den Menschen offen, die wegen ihrer Behinderung nicht, noch nicht oder nicht mehr im Arbeitsbereich der Theo-Lorch-Werkstätten tätig sein können. Wenn es möglich ist, werden kleinere Aufträge übernommen, um die Beschäftigten wieder an das Arbeitsleben heranzuführen. Der Großteil der Zeit besteht aber aus dem Erleben einer sinnvollen und erfüllenden Tagesgestaltung mit individuellen Förderungen in den Bereichen Selbständigkeit, Sozialverhalten, Kreativität und Motorik.
Kerngesunde Qualität
Die Theo-Lorch-Werkstätten haben einen diakonischen Auftrag. Gleichzeitig wird wirtschaftlich gedacht und gehandelt. Beides lässt sich gut vereinbaren, denn sowohl die Kunden als auch die Beschäftigten freuen sich über sinnvolle und gute Arbeit.
Seit 1991 sind die Theo-Lorch-Werkstätten nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert. Das bedeutet, dass Arbeitsabläufe in allen Bereichen, einschlißlich des Förder- und Betreuungsbereichs, dem internationalen Standard entsprechen.
Weitere Informationen unter:
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